Auszug aus der Laudatio von
Karin Reschke zur Verleihung des Walter-Serner-Preises
im November 2000 im Literaturhaus Berlin: „(...)
wie immer, wenn es um Inhalt und Form einer schwierigen Gattung geht,
müssen
die Juroren harte Bandagen an jedes Fetzchen Prosa anlegen und sich die
Köpfe
zerraufen. Dann bleibt aus einer Fülle von Flaschenpostsendungen nur
ein
einziger, lichter Text, der obenauf schwimmt, leicht, unaufdringlich,
klar in
der Sprache, geheimnisvoll in seinem Inhalt und beinahe perfekt in der
Form.
Ich
spreche von der Erzählung Max, nur Max, sonst nichts.
(...)
Max ist der Held eines Ich-Erzählers, ein junger Mann, der weiß, was er
will,
Berufspläne andeutet, ein Ziel vor Augen, von dem der Ich-Erzähler nur
träumen
kann.
Der
Ich-Erzähler, ebenfalls jung, fährt Skateboard, hört Bob Marley. Er hat
eine
Freundin und studiert, um Zeit zu gewinnen, Zeit für ein Nachher, Leben
in
festen Bahnen und Zielvorstellungen.
Auf
sieben Seiten erzählt der Autor, was es mit seiner Freundin, mit Max
und vor
allem mit ihm selbst auf sich hat. In jedem Satz steckt ein Programm,
das im
selben Satz widerrufen wird. Max und sein Porträtist bewegen sich ganz
selbstverständlich durch ihre Reviere in der Großstadt. Die Stadt wird
nicht
beim Namen genannt, aber sie ist allgegenwärtig wie ihre Helden. Irgend
etwas
bahnt sich an zwischen Max und ihm, dem Erzähler. Es scheint auf der
Hand zu
liegen, dass die beiden jungen Männer eines Tages in sehr verschiedenen
Richtungen unterwegs sein werden, aber in diesem einen Augenblick ihrer
Freundschaft, die der Autor wie in einem Brennglas vorführt, offenbart
sich
vage eine gemeinsame Lebensperspektive, die durch die
Ungleichzeitigkeit von
Ereignissen ins Offene führt.
Die
kurze Erzählung über Max lebt von den Brüchen und von
Unausgesprochenem, ihr
Reiz steckt zwischen den Zeilen oder liegt in der Luft, spickt die
Atmosphäre,
die über der Geschichte schwebt. Am Anfang der Erzählung scheint die
Zukunft
Verheißung zu sein, am Schluss atmet die Zukunft schon Vergangenheit
aus, und
der Ich-Erzähler wird wieder Bob Marley hören, vielleicht eine Grippe
auskurieren müssen, oder die Freundschaft mit Max unter einem anderen
Stern neu
erfinden.
Der Autor
dieses knappen und lebendigen Textes heißt Daniel Klaus, er ist der
Träger des
Walter-Serner-Preises 2000.“
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