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Auszug aus der
Erzählung "Max":
Die erste
Erinnerung, die ich mit Max verbinde, ist, dass ich zu ihm aufschaute.
Max war
größer als ich, und das war ungewöhnlich. Ich weiß nicht mehr, warum
und über
was wir geredet haben, aber ich weiß noch, dass ich zu ihm aufgeschaut
habe und
dass es nach einer der Lateinstunden gewesen sein muss.
Danach kannte ich sein
Gesicht, wir grüßten uns, wenn wir uns in der Mensa sahen, und
irgendwann saßen
wir in den Lateinstunden nebeneinander. Wir machten Witze über den
Dozenten, lästerten
über unsere Kommilitonen und bekamen vom Unterricht nur wenig mit. Wir
beschlossen uns einmal die Woche zusammenzusetzen und die einzelnen
Lektionen
nachzuarbeiten, aber daraus wurde nichts.
Ich
hatte angefangen zu studieren, um Zeit zu gewinnen.
Mein Leben hatte sich dadurch kaum
verändert. Ich musste
morgens früher aufstehen, das war alles. Ich blieb zuhause wohnen,
rauchte an
den Wochenenden unzählige Joints, hörte Bob Marley und die
Stones-Platten
meiner Eltern und fuhr, wann immer ich Zeit hatte, Skateboard. Ich war
im
September zwanzig geworden, führte eine komplizierte Beziehung mit Anna
und
wartete ab, was passieren würde.
Anna
war das
aufregendste Mädchen, das ich kannte, und sie war meine Freundin.
Ständig
hatte sie neue Ideen, sprang vor Aufregung von einem Fuß auf den
andern, wollte
am liebsten alles auf einmal und sofort erleben, und ich kam kaum mit
ihr mit.
Anna war ein Bündel an Energie, sie war neunzehn Jahre alt, und wir
lagen uns
dauernd in den Haaren.
Irgendwann im November fragte mich Max, ob ich Lust hätte, mit ihm ins
Kino zu
gehen und ich hatte. Wir trafen uns gegen halb sechs im Atrium, die
Sonne fiel
in den Innenhof, und wir sammelten gemeinsam die letzten Strahlen ein,
bevor es
dunkel wurde und der Film begann. An diesem Abend fing ich an, Max zu
mögen und
mir über ihn Gedanken zu machen. Ich wusste beinahe nichts über ihn und
erzählte
ihm von Anna, ihren blauen Augen, die die Farbe wechseln konnten und
ihrem
hellen Lachen. Ich sprach von ihrer Schönheit und von den unnötigen
Streitereien, die wir hatten. Max hörte zu. Er blickte mich beinahe
traurig an,
und ich fragte, ob er eine Freundin habe, und er verneinte.
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