Auszug
aus Interview mit radio kultur vom 24. November
2000:
radio kultur:
Jedes Jahr,
meine Damen und Herren, verleiht radio kultur zusammen mit dem
Literaturhaus
Berlin den Walter-Serner-Preis. (...) Dieses Jahr geht der mit 10.000,-
DM
dotierte Walter-Serner-Preis an Daniel Klaus, einen jungen Autor, der
seit
einigen Jahren in Berlin lebt, und den ich nun ganz herzlich hier im
Studio
begrüßen darf. Schön, dass Sie da sind, Herr Klaus. Heute Abend werden
Sie den
Preis im Literaturhaus entgegennehmen. Wie fühlen Sie sich? Wie geht es
Ihnen?
Daniel
Klaus:
Ich bin
aufgeregt. Ich denke auch, dass das normal ist.
radio kultur:
Das ist ja
auch so eine Sache. Sie sind noch sehr jung, und das ist Ihr erster
Preis, den
Sie so groß verliehen bekommen.
Daniel
Klaus: Ja.
radio
kultur: Ich glaube, ich darf das
sagen: Sie sind 28. Wann haben Sie angefangen zu schreiben?
Daniel
Klaus: Ich habe vor circa acht
Jahren angefangen. Ich habe mit Lyrik angefangen und schreibe erst seit
ungefähr zwei Jahren Prosa.
radio
kultur: War das etwas Neues für
Sie? Dass Sie so lange schon Gedichte schreiben und sich jetzt erst
seit zwei
Jahren mit der Prosa beschäftigen.
Daniel
Klaus: Die Sachen, die ich
schreiben wollte, waren so kurz, dass sie in Gedichte reingepasst
haben, so
dass ich keine längere Form gebraucht habe. Dann habe ich irgendwann
angefangen
mit Prosa zu experimentieren.
radio
kultur: Was mir beim Lesen
der Gedichte aufgefallen ist, ist, dass sie eigentlich Freunde von
Ihnen sind.
Dass die Gedichte kleine Persönlichkeiten werden, mit denen Sie sich
unterhalten, mit denen Sie sich abends ins Bett legen. Das ist eine
sehr
menschliche Geschichte. Es gibt auch ein Gedicht, das heißt „ich habe
ein
gedicht als freund“. Sind Sie dankbar, dass Sie diese Freunde haben?
Wie ist
Ihr Verhältnis zu Ihren Texten?
Daniel
Klaus: Zu den Texten, die ich für
gelungen halte, ist es sehr gut. Mir ist Sprache sehr wichtig. Das fing
vor dem
Schreiben mit Lesen an, dass ich ganz viel lese.
radio
kultur: Was lesen Sie? Haben Sie
Vorbilder, an denen Sie sich orientieren?
Daniel
Klaus: Das ist schwer zu sagen.
Ich lese eigentlich querbeet und Vorbilder kann man nicht sagen. Sowohl
die
Sachen, die mir überhaupt nicht gefallen, als auch die Sachen, die mir
sehr gut
gefallen, bringen mich weiter, weil ich dann weiß: so würde ich es auch
gerne
machen, oder so will ich überhaupt nicht schreiben.
radio
kultur: Sie sind ja auch, wie
ich finde, ein sehr stiller Autor, ein sehr zurückhaltender Autor. Sie
schreiben sehr zurückhaltend. Es geht da nicht um Rock `n Roll und
Drugs – ja
auch -, aber Sie schreiben sehr still. (...) Sie sprechen auch häufig
von
unaufdringlichen Personen in Ihren Texten, Sie benutzen dieses Wort
sehr oft.
Gibt es eigentlich gar nichts, was Sie so richtig aus der Ruhe bringen
kann?
Daniel
Klaus: Doch, das gibt es bestimmt
auch. Aber ich bin schon ein eher ruhiger Mensch. Klar, das spiegelt
sich dann
auch in den Texten wieder.
radio
kultur: Gibt es nichts, wo Sie sich
mal so richtig aufregen können? Ich kann mir das kaum vorstellen. Als
junger
Mensch ist man doch meistens noch auf der Suche. Man weiß noch gar
nicht so
richtig, wo es hingeht. Und aus Ihren Texten strahlt eine unglaubliche
Gelassenheit, eine Ruhe, eine Zufriedenheit. Das spiegelt Sie dann auch
tatsächlich wieder?
Daniel
Klaus: Ja, würde ich schon sagen.
radio
kultur: Und Sie haben den Weg auch
schon gefunden, den Sie gehen möchten?
Daniel
Klaus: Mit dem Schreiben?
radio
kultur: Ja. Beziehungsweise die
Frage ist natürlich auch: Sie werden im nächsten Jahr Ihr Studium
abschließen.
Wie geht es dann weiter? Werden Sie als Theologe arbeiten? Werden Sie
weiterhin
schreiben? Lässt sich das kombinieren? Was sehen Sie für sich selbst in
der Zukunft?
Daniel
Klaus: Ich möchte das Studium
abschließen und mir danach ein, zwei Jahre Zeit nehmen, um einen
Erzählband zu
schreiben, zu dem auch die Max-Geschichte gehören soll. Und dann werde
ich
sehen, wo ich stehe. Ich bin noch ganz am Anfang mit dem Schreiben, und
dieser
Preis ist für mich etwas ganz tolles. Eine tolle Motivation mich
richtig
ernsthaft und konzentriert an einen Erzählband zu setzen, und den auch
zu
schreiben. Ich bin gespannt, was die nächsten Jahre bringen.
radio
kultur: Aber sind Sie nicht
unruhig? Das ist natürlich so eine Sache als junger Schriftsteller. Man
muss ja
schon überlegen, wovon man die nächsten Jahre lebt. Von einem
Stipendium zum
nächsten, von einem Preis zum nächsten?
Daniel
Klaus: Für die nächsten zwei Jahre
will ich mir die Zeit zum Schreiben nehmen. Ob ich das überhaupt kann –
in
Anführungszeichen - unter Druck Literatur zu produzieren, und in einer
ganz
anderen Öffentlichkeit, als das bisher war. Und wenn das nicht klappen
sollte,
was schade wäre, habe ich es wenigstens probiert, weil das schon immer
mein
Traum war mit dem Schreiben. Und wenn es klappt, um so toller. Es gibt
Stipendien, man kann Lesungen machen, und wahrscheinlich werde ich mir
auch
einen kleinen Nebenjob suchen.
radio
kultur: Werden Sie denn in Berlin
bleiben?
Daniel
Klaus: Ja, habe ich vor. Noch
einige Jahre ganz bestimmt.
radio kultur: Sie sind nach Berlin
gekommen und wollten eigentlich nur ein, zwei Semester Großstadtluft
schnuppern...
Daniel Klaus: ...und dann hat mir die
Stadt gut gefallen, ich habe mich glücklich verliebt, bin es immer
noch, und
bin deswegen immer noch hier und sehr zufrieden hier.
radio kultur: Sie waren trotzdem
zwischendurch eine Zeitlang in Paris. Letztes Jahr war das. Das war für
Sie
auch eine fremde Stadt. Sie sprachen die Sprache nicht. Wie haben Sie
diese
Stadt für sich entdeckt?
Daniel Klaus: Eigentlich über das
Sprache lernen. Ich kam nach Paris und konnte noch vier, fünf Sätze aus
der
Schule, was zehn Jahre her war. Glücklicherweise habe ich einen
Sprachkurs an
der Sorbonne gemacht und dort Leute aus anderen Nationen kennen
gelernt, die
dasselbe Problem hatten wie ich: nämlich mit der Sprache nicht
zurechtzukommen.
Je besser es dann geklappt hat, um so mehr bin ich an Paris und an
Frankreich
rangekommen.
radio kultur:
Den Preis
haben Sie für eine Erzählung mit dem Titel „Max“ bekommen. Es ist eine
sehr
stille, eine sehr zurückhaltende Geschichte. Die Geschichte von einem
jungen
Mann, der Sie durchaus auch selbst sein könnten. Haben Sie das immer?
Sind Ihre
Geschichten der Spiegel Ihrer eigenen Person?
Daniel Klaus: Ja und nein. Bei der
Max-Geschichte gibt es einen biographischen Impuls, warum ich sie
geschrieben
habe. Aber ich bin nicht mit dem Ich-Erzähler identisch, und die
Geschichte ist
nie wirklich so passiert. Aber sie hätte so passieren können.
radio
kultur: Und das ist mit den anderen
Geschichten ähnlich?
Daniel
Klaus: Das ist mit den anderen
Geschichten ähnlich.
radio
kultur: Es gibt meistens einen
Impuls aus Ihrem eigenen Leben, der Sie dazu bringt diese Geschichte zu
schreiben?
Daniel
Klaus: Ja.
radio kultur: Ich wünsche Ihnen für den
heutigen Abend viel Erfolg, für die Zukunft ebenso. Wir freuen uns auf
viele
weitere schöne Geschichten von Ihnen. Und für heute Abend: Um 20 Uhr
liest
Daniel Klaus im Literaturhaus Berlin seine Geschichte „Max“.
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